Lektion 5

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Lektion 5 : X-Factor

Betrifft Online Spieler: 

Bei Deiner Entscheidung am Tisch solltest Du immer alle Faktoren in Deine Entscheidungsfindung einfließen lassen. Wenn Du Tools wie HM2 oder PT4 benutzt, dann hast Du manchmal gleich zu Beginn eines Turniers den Vorteil, dass Du eine gewisse Ahnung hast, wie Dein Gegner tendenziell spielt, aufgrund seiner Statistiken (bei Cash-Game wirst Du öfter die gleichen Gegner finden, als bei Turnieren).

Andere Faktoren könnten sein:

  • Woher kommt mein Gegner (Uhrzeit in anderen Ländern) ?
    • Bsp.: Ich spiele hier um 10 Uhr vormittags kurz vor dem Final Table und ich sehe 3-4 Gegner bei mir am Tisch aus den USA, bei denen es gerade 4 Uhr in der Nacht ist, also könnten hier die Gegner speziell aus den USA unkonzentrierter bzw. müder sein (sieht man auch oft, wenn Spieler immer wieder auf “Sitout” Status wechseln, d.h. Ihnen fallen die Augen ständig zu und sie sind dann “froh”, wenn sie ausscheiden und endlich ins Bett gehen können.
  • Macht ein Spieler am Tisch Werbung für seinen gerade laufenden Twitch-Kanal ?
    • Vorsicht! Solche Spieler sind gefährlich, da sie meist hochkonzentriert bei der Sache sind und keine Fehler machen wollen. 
      • Exploit: Manchmal kriegt man solche Spieler mit gut gesetzten Bluffs zum Folden, da sie keine “dummen” Calls vor Publikum machen wollen
  • Oft sieht man Spieler, die gerade einen BadBeat kassiert haben, in der nächsten Hand direkt (ohne zu überlegen), All-In pushen. Diese kann man nun mit einer weiten Range callen, da solche Spieler oft tilten (vor allem wenn sie sich lautstark im Chat über die letzte Hand aufregen).
  • “Neue” Fische erkennt man auch oft daran, weil sie als Avatar Bilder benutzen von Filmen, die gerade eben erst im Kino gelaufen sind
    • Vorsicht!  Es kann zwar ein “neuer” Spieler in dem Poker-Raum sein, aber vielleicht ein erfahrener Spieler aus einem anderen Poker-Raum.
  • Spieler, die lange Zeit auf “Aussetzen” sind, und dann plötzlich ins Spiel zurückkehren (mit normalen Stacks) und auf einmal Re-Raisen oder All-in Pushen, haben meistens eine sehr starke Hand !!! Solche Spieler spielen meist in vielen verschiedenen Poker-Räumen gleichzeitig und warten nur auf eine gute Hand. Nur wenn sie als Small Stack wieder zurückkommen, bedeutet es, dass sie wahrscheinlich das Turnier vergessen haben. Dann haben sie sich daran erinnert, sehen dass sie nur noch einen kleinen Stack haben und pushen die nächstbeste Hand = Easy Chips für uns !
  • Manche Poker-Räumer (z.B. Pokerstars) haben eine “Spielersuch”-Funktion. Damit kann man sofort sehen, wer an wie vielen Tischen gleichzeitig spielt. Außer derjenige hat sich von der Suchfunktion ausgeschlossen
    • Vorsicht! Spieler mit 4-8 Tischen sind sehr erfahrene und aufmerksame Spieler
      • Exploit: Spieler mit 9-16+ Tischen sind oft Nits, die unter Umständen zu viel folden oder aus-timen. Das können wir uns zunutze machen mit vielen kleineren Raises oder kleinen Riverbets (oder wir betten am River mit 1 Big Blind + 99 Chips, damit es viel aussieht…die Grinder machen dann manchmal den Fehler und folden auf so eine Riverbet, weil es mehr aussieht).
  • Vorurteile ausnutzen
    • In kleineren Poker-Räumen wie z.B. GGPoker spielen viele Spieler aus Asiatischen Ländern, bei denen die “8” eine Glückszahl ist
      • Vorsicht! Wenn eine 8 beim Gegner eine Straight machen würde oder eine 8 zum Set/FullHouse, dann besser folden!
        • Exploit: Pocket 9+ sind sehr profitable Hände gegen Asiaten (gilt auch in Live-Spielen)

Betrifft Live-Spieler:

Auf alles achten !

Jedes noch so kleine Detail kann ausschlaggebend sein.

z.B.: Wenn sich ein Spieler die meiste Zeit ziemlich locker am Tisch verhält, sich sehr viel mit den anderen Spielern unterhält und dann auf einmal, wenn er preflop raist, verstummt und sich bemüht, sich nicht mehr zu bewegen, dann deutet das oft auf eine sehr starke Hand hin. 

Generell kann man sagen, wenn sich Spieler außerhalb ihrer Comfort-Zone bewegen und sich “anders” verhalten als vorher, dann ist Vorsicht geboten. Er kann entweder aufgeregt sein, weil er gerade AA hält und versucht dies mit allen Mitteln zu verbergen oder er bettet am River mit einem 7high-Bluff und will nicht erwischt werden. 

Wenn man nicht in solch einer Hand verwickelt ist, macht es trotzdem Sinn, alles aufmerksam zu beobachten. Wenn man später selber gegen den selben Spieler in einer Hand ist, hilft es dabei, die richtige Entscheidung zu treffen und seinen Bluff erneut aufzudecken bzw. einen guten Fold zu machen.

Wenn man bemerkt, dass ein anderer Spieler am Tisch einen selbst gerade sehr beobachtet, dann kann man auch einen Reverse-Tell machen. Das heisst, man macht absichtlich etwas auffälliges, wie z.B. sich an der Nase kratzen, bevor man dann bluff-bettet (und der Bluff wird anschließend aufgedeckt). Dies merkt sich womöglich der Gegner und bei der nächsten Hand mit einem großen Pot in der Mitte macht man das selbe wieder, aber dieses Mal hat man die Nuts und der Gegner wird Dich callen ! 😉

Ein wichtiger Faktor ist auch oft, WIE ein Spieler seine Chips in die Mitte stellt/wirft oder im allgemeinen mit seinen Chips umgeht:

Anfänger stapeln ihre Chips meist gewissenhaft in mehreren Stapeln in aufsteigender Wertigkeit vor sich.

Erfahrenere Spieler bauen manchmal einen einzelnen Turm mit verschiedenen Chips bzw. stapeln und verschieben ihre Chips ständig hin und her (wobei in Casinos gilt, dass die hohen Chips immer gut zu sehen vor den anderen liegen müssen).

 

Und es gibt sehr viele verschiedene Arten, WIE man seine Chips beim Betten/Raisen oder bei einem All-In in die Mitte bewegt.

Anfänger neigen bei einem hohen Bluff ihre Chips eher vorsichtig (ja nicht zu weit weg von sich selbst) zu schieben, weil sie ja bei einem Call Angst haben, ihre Chips zu verlieren. Anfänger, die dabei auch noch zittern, haben oft eine sehr starke Hand, und sind aufgeregt und zittern deswegen. Auch oft zu sehen ist, dass Anfänger ihre Chips nochmal durchzählen, bevor sie sie in die Mitte stellen. Das ist oft eine starke Hand, weil die Spieler dazu neigen, nochmal durchzuzählen, damit sie wissen, wieviele Chips sie bei einem Call gewinnen können.

Dann gibt es diejenigen, die Ihre Chips in hohem Bogen in die Mitte werfen. Da kommt es drauf an, in den meisten Fällen ist das aber eine mittelstarke Hand oder ein Bluff von geübten Spielern, die damit nur eine starke Hand repräsentieren wollen (Imponiergehabe).

Die Profis machen immer die selbe Bewegung (oder keine) und versuchen so, ihre Bluffs von den ValueHands nicht unterscheiden zu lassen.

Manchmal kann man aber auch an der Atmung etwas erkennen (Körpersprache). Atmet jemand, nachdem er All-In gegangen ist, sehr stark ein und aus (Brustkorb bewegt sich deutlich), dann ist dieser Spieler gerade auch sehr aufgeregt = entweder Bluff oder Nuts … 


Fazit: Der aufmerksame Spieler ist ein ChipShipper ! 

Das ganze Thema ist sehr umfassend, falls ich etwas vergessen, bzw. noch nicht erwähnt habe (weil selber noch nicht so erlebt), dann schreibe mir eine Mail und ich ergänze das dann hier, an : info@chipshippers.de

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weiter zu Lektion 6 – Link zur Seite von Bet&Bit

Lektion 7…