Interview mit Daniel Rezaei

Life of a Highroller

Nach seinem größten Live Cash habe ich mich mit Daniel Rezaei unterhalten, um ihm ein paar Fragen zu stellen. Seines Zeichens ein sehr symphathischer, auf dem Boden gebliebener Zeitgenosse.

Daniel Rezaei

CS: “Gratulation erstmal zu dem Mega Ergebnis beim Partypoker Millions South America! 3.Platz für 435,000 $ is mal richtig nice”
DR: “Danke auf jeden Fall, ja, kann man sich nicht beschweren darüber”

CS: “Gut, wenn man die Relation sieht, ist das ein Profit von 42 BuyIns, richtig ? Aber immerhin, es ist wie man auf HendonMob sehen kann, bisher größter Live-Cash, stimmts ?”
DR: “Stimmt, ich war zwar schon ein paar mal knapp dran an solch großen Cashes, aber dann war es halt immer so 9. oder 10.Platz”

CS: “1 Jahr voher warst Du bei dem gleichen Turnier auch schon 9. für 100,000 $, hab ich mal nachgeforscht !?”
DR: “Genau, im Jahr zuvor war ich 9. und auch 2019 hatte ich einen DeepRun beim WSOPE Main Event (Event #14) im Kings auch 10.Platz für ca. 75,000 €; es war bei beiden Turnieren über 1 Million für den 1.Platz im Preispool, und ich hatte sogar bei beiden Turnieren zwischenzeitlich immer wieder den Chiplead, aber dann hat’s irgendwie bis zum FT leider nicht gereicht.”

CS: “Trotzdem, sehr gute Ergebnisse!”
DR: “Ja, wie gesagt, ich kann mich nicht beschweren, die Varianz scheint auch ganz gut auf meiner Seite zu sein.”

CS: “Wie ist es bei den HighRoller-Events, wenn man dann langsam in Richtung Final Table kommt, kennt man dann die meisten Spieler ?”
DR: “Man kennt schon sehr viele, die Strukturen sind grundsätzlich auf jeden Fall schon so ausgelegt, dass es eher “Pro”-freundlicher ist,
also die Struktur is sehr slow, und man kennt an den last-3-tables wirklich sehr viele Spieler dann, außerdem kennt man die Leute auch vom Online-Poker her, z.B. beim Final Table in Uruguay, da war Fabi Gumz, ein deutscher Poker Freund, Pedro (Hendon Mob Link Pedro Madeira), Pablo (Hendon Mob Link Pablo Silva) und Urbanovich (Hendon Mob Link Dzmitry Urbanovich), mit denen ich regelmäßig online spiele.”

CS: “Interessant!”
DR: “Zum Beispiel Pablo Silva, der das Turnier gewonnen hat, den hab ich witzigerweise am Sonntag vor dem FT noch deep im 530er BountyBuilder gebusted. Auf der großen Bühne hat es dann für ihn gereicht, da hat er mich dann rausgehauen… Mit Pedro saß ich auch einen Tag nach dem FT zusammen im 530er BountyBuilder an einem Table. Fabi Gumz kenn ich sowieso schon länger, er ist auch ein guter Freund und war sogar mein Roommate in Uruguay. Und gegen Urbanovich spiele ich auch ziemlich viel online auf Partypoker und auch auf Pokerstars. Also man kennt das Spiel der anderen dann natürlich schon ein bisschen.
Bei den Live Turnieren mit höheren BuyIns hat man halt schon immer so die 60-70 gleichen Leute dabei, die so gut wie jeden Stop mitmachen, und von denen sind obvious immer welche deep dann im Turnier.”

CS: “Kommen wir zur nächsten Frage: Planst Du Deine Poker-Trips lange voraus oder eher spontan ?”
DR: “Einige sind auf jeden Fall spontan. Die großen Tours, z.B. Partypoker verändern ja oft ihre Stops, im Gegensatz zu Pokerstars, die ja seit Jahren ihre festen Stops haben, wie Monaco, Prag, Barcelona etc…Partypoker variiert da viel mehr. Man versucht halt die Majors von Party und Stars mitzunehmen, weil das einfach gute Value-Stops sind, aber zum Beispiel so ein Stop wie Sochi ist mal so gar nicht meins, die Kälte, das Eis… Wintersport ist auch ned so meins… da war ich noch nie und ist auch nicht geplant, obwohl es eigentlich ein softer Stop sein soll. Ich mach lieber Stops, die in der Sonne sind, muss ich ganz ehrlich sagen.
Letztes Jahr habe ich zwar Barcelona ausgelassen, da brauchte ich dem 2-Monate-Hardcore-Grind in Vegas erstmal ne kurze Pause. Barcelona und Prag stehen dieses Jahr aber auf meiner Liste, auch Monaco und Vegas, das sind so die Turniere, die man auf jeden Fall mitnimmt! Vegas ist dann wieder mit 2 Monaten geplant im Sommer,
FALLS es stattfindet.”

CS: “Ich hab gesehen, Du hast auch in Vegas ein paar ziemlich gute Cashes mitgenommen!”
DR: “Ja, in Vegas gibt es für jedes BuyIn gute Value Turniere. 2019 hatte ich n paar Deepruns in Vegas, aber man sieht halt n paar Cashes, die zwar gut ausschauen, aber am Ende reicht es oft nicht, um BreakEven oder besser aus Vegas wieder rauszukommen.”

CS: “Okay, nochmal zu dem Partypoker Millions in South America, Du warst ja lange Zeit Chipleader…Wie bereitest Du Dich mental darauf vor, wenn es in Richtung Final Table geht und damit um das große Geld? Wie bleibst Du da cool?”
DR: “Zum Beispiel bei Events wie diesem, der dritte war vorbei, ich bin dann ins Hotel rübergefahren, und review den ganzen Tag z.B. auf PokerGo, und schau, ob ich ich irgend etwas von meinen Gegnern aufpicken kann, lese mir die Online-Blogs von den Live-Coverages durch, ob ich dort etwas interessantes entdecke, irgendwelche Leaks etc, wie gesagt, man kennt die Leute zwar meistens schon, aber auf der großen Bühne reagieren sie dann meist doch ein bisschen anderst. Manche ziehen dann einfach Bluffs nicht durch oder dann doch zu tight, da es um sehr viel Geld letztendlich geht. 

Und wenn ich dann am FT sitze, dann ist es für mich einfach ein Pokergame! Ich versuche micht beeinflussen zu lassen von den Zahlen (Payouts), ich versuche mein Spiel zu spielen, so wie ich es auf jedem
anderen FT machen würde und damit komm ich eigentlich ganz gut durch. Auf diesem FT hab ich auch 1-2 Fehler gehabt, geb ich zu, was mich im Nachhinein etwas ärgert, aber das Endresultat war dann doch ganz gut.”

CS: “Gab es einige Keyhands bzw. Highlights, von denen Du erzählen magst ?”
DR: “Rob Yong hat die Key Hand auch auf seinem Twitter-Account geteilt (siehe weiter unten)…  ich open mit pocket 99, Fabio 3-bettet aus m SB mit 3x, ich call.
Zu diesem Zeitpunkt sollte er eigentlich ziemlich passiv gegen mich spielen, deswegen hab ich mich nicht dazu entschieden, zu jammen, sondern nur zu callen, da er eigentlich auch ziemlich tight 3-betten sollte. Flop kommt mit J-9-7 (2x spades), er c-bettet groß und ich hab einen Sizing Tell bei ihm erkannt, den ich von Tag 3 noch gewusst hab. Also jamme ich und er callt mit Gutshot und Nutflush-Draw für die Hälfte der Chips in play, zu dem Zeitpunkt und der Flush kommt an.
Ich war dann runter auf 6BB und konnte mich anschließend wieder zurückkämpfen, hab 2x verdoppelt. Pablo, der das Turnier gewonnen hat, hat mir dann das Leben ziemlich schwer gemacht, meiner Meinung nach der stärkste Spieler an diesem FT. Im großen und ganzen, man ärger sich natürlich schon, wenn man einen halben Meter von dem großen Major-Titel entfernt ist, aber Platz 3 für knappe 500K ist wirklich in Ordnung.”

CS: “Und danach noch auf Party gewesen mit Deinem Roommate oder wie hast Du es gefeiert ?”
DR: “Die anderen waren schon in nem coolen Sushi-Lokal, ja und ich bin dann noch nachgefahren, wir haben angestoßen, ein paar Flaschen Wein, es war eine lustige Runde noch. Mein Roommate hat 4.Platz gemacht, ich den 3. Platz und es waren noch ein paar andere Poker-Freunde mit dabei, jeder von uns hatte was zu feiern.”

CS: “Wie würdest Du Deinen Spielstil allgemein beschreiben ?”
DR: “Ich bin definitv auf der aggresiveren Seite, ja. Meine Freunde sagen teilweise, dass ich wirklich jeden Spot nehme, auch die die man nicht nehmen müsste. Aber sobald ich einen Spot sehe, wo ich glaube, der ist +EV, dann nehm ich ihn auch. Der Stil, gerade im Live-Feld funktioniert wirklich sehr gut, weil die meisten Leute tendieren zum Overfolden. Online nehm ich mich meist etwas zurück, da die Leute mich sonst öfter runtercallen, wenn ich das barreln anfang. Aber live, gerade
bei den 5K-10K Events, also auf der großen Bühne, funktioniert der aggresive Stil schon ganz gut. Die Leute sind halt nich happy, wenn sie dort auf ihr Tourney-Live geprüft werden und neigen dann oft dazu, einen zu tighten fold zu machen. Und in diesen Spots versuch ich immer, so viel wie möglich mitzunehmen.”

CS: “Scheint zu funktionieren… Grindest Du auch online sehr viel ?”
DR: “Ja, wenn ich nicht auf Live-Turnieren unterwegs bin, dann spiele ich schon viel online. Vor allem bei den Series, wie SCOOP, WCOOP, Powerfest etc siehst Du mich jeden Tag von früh bis spät am Grind, 7 Tage die Wochen, 2 Wochen komplett durch. Ich kann wirklich sagen, ich lebe Poker. Ich hab mir echt das Hobby zum Beruf gemacht und mir wird auch nicht langweilig, also ich könnt das jeden Tag machen ohne die Lust daran zu verlieren! Seit 2 Jahren mach ich das ja erst professionell, davor “nur” als Hobby.”

CS: “Hast Du einen Poker-Coach oder wie lernst Du ? Bist Du auch in einer Gruppe ?”
DR: “Ja, ich hab einen Poker-Coach, aber ich hab auch Lerngruppen, also mehrere Spieler, wir besprechen Hände und Spots und versuchen als Gruppe, unser Game zu improven. Ich glaube, gerade das in der Gruppe, ist etwas, was allen sehr gut hilft. Es steigert auch die Motivation, und bei manchen Online-Series treffen wir uns dann in einer Wohnung und grinden zusammen und das hilft auch allen, wenn alle die gleiche Einstellung haben, den gleichen Rhytmus etc und motiviert einfach.

CS: “Benutzt du, wenn du online spielst, ein HUD?”
DR: “Ja spiele online mit hud außer auf Party wo es verboten ist.”

CS: “Du hast gesagt, du spielst erst seit 2 Jahren professionell… Wie hast du angefangen (mit mehr Kapital, um gleich von Anfang an, höhere BuyIns zu spielen? )?”
DR: “Habe mit paar K Bankroll gestartet und hatte dann paar gute Cashes. Und dann zu den höheren Buyins gekommen und hab relativ aggressiv geshottet”

CS: “Wie sieht dein BRM aus? Jeweils für Cash und für MTTs online und Live?”
DR: “Und BRM war bei mir nie wirklich konservativ was prob einer meiner größten Leaks war. Spiele aber, seitdem ich Highstakes spiele auch gestaked bzw verkaufe für die höchsten Games auch Action”

CS: “Okay, vielen Dank für Deine Zeit, das Gespräch war sehr angenehm, Du bist ein symphatischer, bodenständiger Typ, bleib so und weiterhin viel Erfolg!”